Deutsch-Afrikanische Zusammenarbeit e.V.
Aalbruch 4, D-17489 Greifswald
e-Mail: info(at)daz-eu.de, www.daz-eu.de

Die Reisegruppe von links: Hinrich Kuessner, Beluga Post, Hannes Skodock, Etienne Dable, Christian König
Auf der Fahrt nach Dapaong besuchten wir die ICOOP-Farm. Ein Landwirt bearbeitet hier 100 ha.
20.000 Legehennen ist das Ziel der Farm. Die ersten Bruteier stammen aus Belgien und wurden im eigenen Brutkasten ausgebrütet.
Neben Mais, Hirse, Gemüse, Teakholz betreibt er Viehzucht. Die Straußenzucht ist ein gutes Geschäft.
Die Siedlung der Tamberna sind Weltkulturerbe.
IT Village ist der Partner von DAZ in Dapaong.
Seit Februar 2008 ist Herr Yabouri Geschäftsführer von IT Village. Er ist Erziehungswissenschaftler und war vorher an der Uni in Lomé tätig. Nebenbei arbeitet er an der Kolonialgeschichte Togos. Er sucht Material aus der deutschen Kolonialzeit.
DAZ unterstützt die Schule in Kourdjoak seit einem Jahr. Christian König und Etienne Dable mit dem Direktor im Gespräch.
Mit Unterstützung von DAZ wurde eine kleine Bibliothek angelegt. Das waren die ersten Bücher in der Schule in Kourdjoak.
Der neue Trinkwasserbrunnen in Kourdjoak. Erst in 80 m Tiefe wurde genügend Wasser gefunden.
Eine Tafel benennt die Spender und Organisatoren.
Die Tafel der Bingo-Lotterie wird angebracht.
Die neuen Brunnen haben alle eine Viehtränke.
Schulkinder auf dem Weg zur Feldarbeit. Es sind Sommerferien. Viele Kinder müssen arbeiten.
In Nagré 2 erzählen uns die Frauen am neuen Brunnen, dass sie gar nicht wussten, auf welchen Schätzen sie leben. Im letzten Jahr mussten sie viele Tiere abschlachten, weil sie in der Trockenzeit nicht genug Wasser für Menschen und Tiere hatten.
DAZ will in den kommenden Jahren fünf Dorfschulen fördern. Die Schule in Kourdjoak hat eine Partnerschule, die Martin-Andersen-Nexö-Grundschule in Greifswald.
In allen Schulen haben wir einen Film über Schulen in Greifswald und Ahlbeck auf Usedom gezeigt. Die deutschen Kinder haben dabei viele Fragen an die Kinder in Togo gestellt. Für viele Kinder war es die erste Filmvorführung, die sie erlebten. Alle Dörfer haben keinen Strom.
Kinder antworten auf die Fragen der deutschen Kinder. Eine Frage war: Wie oft kommt der Zahnarzt zu euch in die Schule. Die Lehrer mussten den Kinder erklären, was ein Zahnarzt ist. Kein Kind war bisher von einem Zahnarzt behandelt worden.
Um die dunklen Gesichter auf dem Film gut zu erkennen, mussten in Nadagou Hilfsmittel eingesetzt werden.
Ein Bild für einen Paten in Deutschland. Der Pate zahlt für diese Kinder Schulgeld, 15 € im Schuljahr für ein Kind. DAZ sucht Paten, damit alle Kinder in diesen Dörfern zur Schule gehen können.
Die Übergabe der fünf Trinkwasserbrunnen war ein fröhliches Fest. Alle Kreischiefs und Dorfchiefs waren vertreten.
Zur Einweihung des Brunnens in Kourdjoak gab es einen Schluck kühlen Wassers aus der Kalebasse.
Die Kalebasse mit Wasser wird weitergereicht.
Partner der Schule in Piabribagou ist die Greifschule in Greifswald.
Auch hier antworteten die Kinder auf die Fragen der deutschen Schüler.
Ihre Partnerschaft mit der Greifswalder Schule wollen die Kinder "Der Berg" nennen. Wenn sie aus dem Klassenraum schauen, sehen sie auf diesen Berg.
Die Schule in Nagré 2 wurde mit finanzieller Hilfe der EU gebaut. Diese Schule will eine Partnerschaft mit der Waldorfschule in Schwerin aufnehmen. Hannes Skodock stellte seine Schule vor.
Als wir den Film zeigen wollten, gab es ein schweres Gewitter.
Alle Kinder flüchteten aus der Klasse und setzten sich in den überdachten Gang vor den drei Klassen. Dort blieb es trocken.
Viele Frauen kamen. Sie wollten auch den Film sehen.
Unsere Filmvorführung war ein besonderer Tag. Viele hatten sich festlich gekleidet.
Auch ein Korbflechter kam und zeigte seine Arbeit.
Ein Friedhof der Moba.
In der Regenzeit fahren sich immer wieder Autos fest.
Nach dem Schulbesuch in Dore machen wir einen Ausflug in das Gebirge.
Auf einer eisernen Treppe steigen wir einen Felsen hinab und können eine Verteidigungsstellung besehen.
Dabei hat man einen herrlichen Blick in eine weite Ebene.
Der Berg aus der Ebene in der Abendsonne.
Ein Dapaonger Gastwirt hat ein besonderes Feriencamp auf einem felsigen Berg geschaffen. Übernachtung mit Frühstück und Abendbrot kosten 10.000 Fcfa = 15 €.
Der Duschplatz.
Vom Camp hat man einen weiten Ausblick in ein breites Tal. Angeboten werden Touren in ein Dorf der Mobas, zu den Elefanten oder in das Gebirge.
Am 19. Juli wurde in Dapaong der DAZ-Pokal ausgetragen. 12 Mannschaften bewarben sich um den Pokal, 10 Mannschaften der 10 Stadtteile von Dapaong und zwei Mannschaften der fünf Dörfer.
1.500 Zuschauer waren gekommen, darunter der Bürgermeister von Dapaong und ein Vertreter des Kreischiefs.
Die Sieger.
Beluga Post hat einen Tag Minto mit seiner Kamera begleitet. Minto ist 7 Jahre alt. Er geht in die erste Klasse. Hier ist er mit seiner Familie.
In den Ferien hütet er drei Bullen.
30 Minuten musste er mit seinen Bullen bis zu einer Wasserstelle gehen.
Mit seinem Bruder spielt Minto Ari.
Architekt Keré arbeitet an der TU in Berlin. Er stammt aus Burkina Faso. Mit ihm wollen wir das Jugendzentrum und Schulen bauen. Hier erläutert er in Nagré 2 seine Bauweise.
Zusammen mit einem Verein in Bitoka Kopé wollen wir eine Grundschule bauen. Auch hierfür hat Herr Keré die Planung übernommen.
Der Pavillon des Kinderhauses Frieda ist bis auf kleine Restarbeiten fertig.
Der neue Geschäftsführer Dom ADIKA dankt Christian König für die finanzielle Unterstützung der Rotarier beim Bau des Pavillons.
Der Unternehmer AK will den Bau des Jugendzentrums in Dapaong unterstützen. Er hat sich vom Straßenjungen über Benzin- und Autoersatzteilverkäufen bis zum Unternehmer hoch gearbeitet. Jetzt gehören ihm 80 Lastautos. Er hat keine Schule besucht und kann nicht lesen und schreiben. 120 Menschen arbeiten in seinem Unternehmen.
In den letzten Tagen erleben wir bei Lomé Hochwasser. Fünf Menschen ertrinken, neun Brücken werden zerstört. Vier Brücken sind auf der internationalen Straße, der Lebensader Togos. Das ist ein schwerer wirtschaftlicher Rückschlag für das Land. Der Maispreis steigt um das Dreifache.
Sonnenuntergang in Kourdjoak.

Wissen und Wasser


13. 8. 2008
Nachtrag

In einer heutigen Mail eines Transportunternehmers aus Togo heißt es: "Die Hochwassersituation hat (immer) noch keine Lösung. Wir sind gestern von Notse über Agou in Richtung Lome gefahren. Es ist eine Katastrophe, dass eine Regierung vollbeladene LKW's auf eine unfahrbare Piste schickt. Wir haben auf dieser Piste (ca. 50km) mehr als 300 LKW's gesehen, die nicht weiterfahren konnten. Es sind viele steckengeblieben und noch mehr umgekippt. Keine Hilfe war vor Ort zu sehen und auch keine Strassenbaumaschinen, die die Strasse aufbessern könnten. Wir müssen noch um unsere Existenz bangen!"

 

Die Preise steigen in Togo kräftig. Der Maispreis ist weiter gestiegen. Der Benzinpreis wurde um rund 100 Fcfa auf 600 Fcfa abgehoben. Die Wirtschaft des Landes steckt in einer schweren Krise. Von der Regierung unter Präsident Faure gehen keine Aktivitäten aus.

 

Greifswald, 5. 8. 2008


Wir sind wieder zuhause in Deutschland.

 

In Dapaong trafen wir uns noch mit dem Architekten Keré. Mit Herrn Keré wollen wir zusammen ein Jugendzentrum in Dapaong und Schulerweiterungsbauten und Lehrerwohnungen in den Dörfern bauen.

 

IT Village hat in Dapaong ein Grundstück angeboten bekommen. Es liegt günstig an einer Straße, etwas abseits von Wohngebieten, aber nicht weit weg vom Stadtzentrum. Für dieses Grundstück gibt es auch andere Interessenten. Das kann den Preis in die Höhe treiben. Mit Herrn Keré konnten wir aber grundsätzlich über einen solchen Bau sprechen. Das Zentrum soll einen größeren Veranstaltungsraum haben. Dieser Raum kann teilweise offen sein. In zwei Räumen soll die Computerschule untergebracht werden. Weitere Schulungsräume, Räume für die Vereinsarbeit, Übernachtungsmöglichkeiten und ein Sportplatz sind angedacht. IT Village wird eine Zielplanung aufschreiben, die zunächst mit uns abgestimmt wird.

 

Herr Keré baut grundsätzlich mit Materialien, die in der jeweiligen Region zur Verfügung stehen. Der Bau soll zusammen mit Jugendlichen errichtet werden. Sie sollen Baumethoden erlernen können, die sie auch privat anwenden können.

 

Mit Herrn Keré waren wir auch in Nagré 2. Ich will dem DAZ-Vorstand vorschlagen, dass wir hier mit den Schulbauten für die Dörfer beginnen. In diesem Dorf sind die Menschen besonders arm, aber auch besonders motiviert, ihre Situation zu verbessern. In Nagré besteht ein Schulgebäude mit drei Klassen und einem Lehrerzimmer. Dazu gibt es einen Kindergarten. Angedacht sind drei weitere Klassenräume, eine Bibliothek, drei Lehrerwohnungen, 7-8 Toiletten (für jede Klasse eine Toilette, eine für den Kindergarten, eine für Besucher). Ein Wasseranschluss vom Brunnen ist möglich. Eine Solaranlage soll zum ersten Mal elektrisches Licht in das Dorf bringen.

 

Am 24. Juli haben wir Dapaong verlassen. Wir waren danach zwei Tage in Bitoka Kope, einem Dorf in der Nähe von Notsé. Bitoka Kope ist ein Dorf mit rund 300 Einwohnern. Nur 15% der Kinder gehen zur Schule. Zum Verantwortungsbereich des Herrn Bitoka, einem Nachkommen des Dorfgründers, gehören sieben weitere kleine Dörfer. Auch hier besuchen nur wenige Kinder eine Schule. Allerdings treffen wir auch ein Mädchen an, das die 11. Klasse besucht. Bitoka wurde 1940 von Menschen aus Niamtougou bei Kara gegründet. Die französische Kolonialmacht hat damals Menschen an der Straße von Lomé nach Dapaong angesiedelt. Bitoka hat sich dabei zusammen mit acht Männern und ihren Familien von einer größeren Gruppe getrennt. Sie haben Land von einem Jäger erworben und das Dorf Bitoka Kope gegründet. Man erreicht den Ort auf einem Landweg 3 km von der Fernverkehrsstraße entfernt.

 

Mit dem vor kurzem im Dorf gegründeten Verein wird der Bau einer Grundschule für das Dorf Bitoka Kope und die weiteren sieben kleinen Dörfer besprochen. Auch in diesen Dörfern existiert keine Schule. Die Schule ist im Ort an der Fernverkehrsstraße. Der Weg ist besonders für kleine Kinder ein Hindernis für den Schulbesuch. Der Verein soll zunächst für DAZ eine Übersicht über die Zahl der Einwohner und die Zahl der Kinder in diesen Dörfern fertigen. Der Architekt Keré hat das Dorf Bitoka im letzten Jahr besucht und seine Unterstützung bei diesem Projekt zugesagt. Projektleiter bei DAZ ist Mitreisender Christian König.

 

Wir haben nicht im Dorf übernachtet, sondern in einem Hotel in Notsé. Am zweiten Tag kamen unsere Gastgeber nicht zur verabredeten Zeit zu uns. In Afrika ist es nicht ungewöhnlich, wenn der Zeitplan nicht eingehalten wird. Hier hatte es einen traurigen Grund. Ein 2-jähriger Junge war in der Nacht an Malaria gestorben. Er war erst zwei Tage vorher erkrankt. Seine Eltern hatten kein Geld für Medikamente. Herr Bitoka sagte uns, dass jährlich 10 Kleinkinder an Malaria sterben. Die Beerdigung des Jungen fand am Morgen in aller Frühe statt. Der Junge war bei der Geburt von keinem Standesamt registriert worden. Auch sein Tod wurde nirgends festgehalten. Als Herr Bitoka uns sechs Tage später zum Flughafen in Lomé brachte, erzählte er uns, dass in Bitoka Kope ein weiteres Kind an Malaria gestorben ist. In einem der kleinen Nachbardörfer starben in den letzten Wochen drei Kinder. In den Dörfern gibt es keine Moskitonetze und für die medizinische Behandlung der Kinder fehlt das Geld. Als Besucher hört man diese Nachrichten hilflos und fragt: Kann hier heute nicht Abhilfe geschaffen werden? Wir überlegen die Beschaffung von Moskitonetzen. Dazu muss sicher eine Aufklärungsaktion organisiert werden.

 

Wenn es in Bitoka Kope eine Schule geben würde, könnte die Aufklärung über die Schule gemacht werden. Über die Kinder kann man die Eltern erreichen. Lehrer, die in den Dörfern leben, können zur Entwicklung der Dorfgemeinschaften beitragen. Schulbau ist darum so wichtig, ebenso wie Wohnungen für Lehrer. An diesem Konzept wollen wir mit unseren Partnern in Togo weiterarbeiten.

 

Wir besehen uns einige historische Stätten in der Nähe von Notsé. In Notsé gibt es jährlich ein Ewe-Fest. Der stellvertretende Ministerpräsident bereitet gerade mit den Chiefs und Königen der Ewes das nächste Fest vor in unserem Hotel. Wir besichtigen die Reste der Ewe-Burg. Es ist nur noch eine dicke Mauer zu sehen. Wir besichtigen einen deutschen Bahnhof. Er ist in Betrieb. Nur Güterwagen werden auf den Gleisen gefahren. Auch das Haus des deutschen Bahnhofsvorstehers steht noch. Es ist unbewohnt. Und wir besuchen einen kleinen deutschen Friedhof. Am 22. 8. 1914 verstorbene Soldaten sind hier beigesetzt.

 

Am Sonntag hören wir in Lomé, dass wir viel Glück hatten. Denn eine der Brücken, die wir überquert haben, ist plötzlich zusammengestürzt. Es geschah wohl aus Altersschwäche. Die Straße wird von vielen Lastern befahren. Sie hat der Belastung nicht mehr standgehalten. Später kommt es noch schlimmer. Als wir am 29. Juli zu einem Termin diese Straße in der Nähe von Lomé nutzen, kommen wir in einen Stau. Wir müssen halten und hören, dass eine weitere Brücke nicht mehr befahren werden kann. Links von der Straße staute sich Hochwasser, wie die Leute, auch togolesische Fernsehreporter, die wir dort trafen, noch nie erlebt haben. Fünf Menschenleben sind zu beklagen. Neun Brücken werden durch das Hochwasser teilweise oder ganz weggerissen, vier auf der internationalen Straße Lomé – Dapaong. Für Togo ist diese Straße die Lebensader. Togo ist Luftlinie 550 km lang und nur 70 bis 150 km breit. Diese Straße ist jetzt an wichtigen Stellen unterbrochen. Ein Umweg ist über Kpalimé möglich. Aber der Weg ab Kpalimé ist sehr schlecht. Am ersten Tag nach der Brückensperrung sollen schon vier Laster auf diesem Umweg umgekippt sein. Einige Schiffe wurden schon in andere Häfen umgelenkt. Für Togo ist das ein großer wirtschaftlicher Schaden. An unserem Abflugtag wurde uns berichtet, dass der Maispreis um das Dreifache gestiegen ist. Die Lebensmittelpreise waren schon hoch. Auf viele arme Menschen kommen weitere Belastungen zu. Man hat den Eindruck, dass das die togolesische Regierung nur wenig berührt. Präsident Faure fliegt schon eine Woche vor Beginn der Olympischen Spiele nach Peking. Fünf togolesische Sportler vertreten das Land. Es gibt wenige Bemühungen der Regierung Maßnahmen gegen die Armut und für mehr Bildung im Land zu starten. Erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit wird nur möglich sein, wenn Hilfe von außen von der Regierung unterstützt, gefördert und gewollt wird. In Togo gewinnt man den Eindruck, dass die Regierung wenig für die Menschen im Land tut, aber selbst gut lebt.

 

Im Kinderhaus Frieda in Lomé nehmen wir an einer Vorstandsitzung des togolesischen Vereins teil. Vor der Sitzung erleben wir wieder die wirklich tolle Atmosphäre dieses Hauses. Die Kinder spielen in kleinen Gruppen. Das Miteinander der Kinder, Kindermütter und des neuen Geschäftsführers ist schön zu erleben. Der Pavillon ist gestrichen. Auch das sieht gut aus. Kleine Arbeiten sind noch zu erledigen. Dann sind die Bauarbeiten beendet. Im kommenden Jahr soll eine Solaranlage dazukommen. Es gibt immer wieder Stromausfälle. Die Solaranlage soll Abhilfe schaffen.

 

Im Kinderhaus ist eine Praktikantin aus Weimar tätig. Sie dreht mit den Kindern einen Film.

 

Im August gehen alle Kinder bis auf eins zu ihren Großfamilien. Sie sollen diese Verbindung nicht verlieren. Darum werden die Sommerferien für einen Besuch genutzt. Ein Kind kann nicht zu seiner Familie. Ein Vereinsmitglied nimmt es in dieser Zeit auf.

 

In den Ferien soll die Entscheidung über die Aufnahme von fünf weiteren Kindern fallen. Die Kapazität des Hauses von 24 Plätzen ist dann ausgeschöpft.

 

Wir sprechen ausführlich über die Finanzierung des Kinderhauses. Der Finanzplan wird vom Verein insgesamt eingehalten. Allerdings sind die Lebensmittelpreise kräftig gestiegen. Es sollen darum Vorräte angelegt werden. So kann zu besseren Preisen eingekauft werden. Wir werden aber künftig mit höheren Kosten für die Versorgung der Kinder rechnen müssen.

 

Der durch die Bonita-Stiftung finanzierte Bus sollte am 22. Juli im Hafen von Lomé eintreffen. Das Entladen des Schiffes verzögerte sich aus uns nicht bekannten Gründen. Jedenfalls wurde der Container mit dem Bus auf die weitere Fahrt nach Spanien mitgenommen. Von dort soll er demnächst wieder Lomé ansteuern. Da die Liegegebühren für die Schiffe so teuer sind, wird nicht gewartet bis alles entladen ist. Wenn die Liegezeit um ist, fährt das Schiff ab. Restliche Container machen dann einen Umweg. Das soll öfter passieren.

 

Wir sind wieder gut zuhause angekommen. Wir haben viele neue Eindrücke auf der Reise gewonnen. Beluga Post hat 17 Stunden Film aufgenommen. Vor ihm steht viel Arbeit, um einen kurzen Beitrag über unsere Projekte für den NDR zusammenzustellen und vor allem um die DVD für die Schulen zu fertigen. Wir wollen so unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärken, um mehr Unterstützer für unsere Arbeit zu finden.

 

In Lomé trafen wir übrigens DAZ-Mitglied Wolfram Hartrampf und eine Patin eines Kindes vom Kinderhaus Frieda. Sie waren zwei Wochen in Togo. Andere Vereinsmitglieder sind zurzeit in Mali. Jutta Hartrampf und Jürgen Onken kommen auch noch nach Togo. Es schön, dass viele Vereinsmitglieder den Kontakt zu unseren Partnern suchen. Für unsere Entwicklungszusammenarbeit ist das sehr wichtig.

 

Dapaong, 20. 7. 2008

Vorgestern fand eine Sitzung des Vereins IT Village statt. Die konstituierende Sitzung des Vereins war erst am 30. 12. 2006. Er hat inzwischen große Aktivitäten entwickelt. Fünf Mitarbeiter werden durch den Verein bezahlt: der Geschäftsführer Yabouri, zwei IT-Lehrer, ein Wächter und seit dem 17. 7. eine Praktikantin für das Projekt „Ohne Schule geht es nicht!“.

 

Täglich finden drei IT-Kurse mit zurzeit 29 Teilnehmern (7 Frauen) statt. 24 Teilnehmer (6 Frauen) haben einen Kurs bisher beendet. Die Kurse dauern drei Monate und führen ein in Hardware und die gängigen Softwareprogramme. Der zweite Lehrer wurde für Abendkurse eingestellt.

 

Gestern fand das Endspiel um den DAZ-Pokal statt. Seit der Nacht regnete es. Es war kühl, 25 Grad um 11 Uhr. Zum ersten Mal auf dieser Reise zog ich einen Pullover an. Es war wohl mein erster Tag in Afrika, an dem ich nicht schwitzte. Das Fußballturnier hatte das Ziel, mit jungen Leuten in das Gespräch zu kommen, um mit ihnen zusammen ein Jugendzentrum in Dapaong zu schaffen. 12 Mannschaften haben am Turnier teilgenommen, 10 aus Dapaong und 2 aus den fünf Dörfern, in denen die Trinkwasserbrunnen gebohrt wurden. IT Village ist durch das Turnier bekannt geworden. Diese Aktivität hat dem Verein viel Anerkennung gebracht. Es sind Jugendliche erreicht worden, die bisher ziellos auf der Straße herumhingen.

 

Im Stadion „Foadan - Löwen der Steppe“, der Dapaonger Fußballmannschaft, die den Aufstieg in die erste Liga in diesem Jahr geschafft hat, wurde das Turnier ausgetragen. Wir erlebten mit 1.500 Zuschauern das Endspiel Nassable gegen Worgou 2: 0. Der Bürgermeister und der Kreischief waren gekommen. Polizei, togoisches Rotes Kreuz, alles war anwesend. Geleitet wurde das Spiel von einem Team von vier Schiedsrichtern. Eine Technische Kommission bestehend aus Vertretern des lokalen Fußballvereins, des Fußballverbandes und des Ministeriums für Sport entschied bei Streitigkeiten. Die Gesamtorganisation des Turniers lag in Händen des Geschäftsführers von IT Village, Herrn Yabouri. Abends saßen wir mit den Vertretern der Technischen Kommission zusammen. Sie sagten uns, dass es in Dapaong schon mehrere Turniere gab. Aber dies war das am besten organisierte. Dank der Spenden von DAZ hatten alle Mannschaften Trikots. Unser Dank geht besonders an Eugen Keteku in Witten und Jürgen Onken in Hude. Sie haben vor allem die Trikots besorgt. Es waren ausreichend Bälle da. Der DAZ-Pokal soll im nächsten Jahr wieder ausgetragen werden. Dafür suchen wir Sponsoren. Die Finanzierung des Turniers haben in diesem Jahr vor allem IT Village-Mitglieder übernommen.

 

Vor allem muss jetzt aber der nächste Schritt gegangen werden: die Vorbereitung des Jugendzentrums. Das Zentrum mit Angeboten für Bildung, Beschäftigung und Freizeit soll unter Leitung des aus Gando/Burkina Faso stammenden, jetzt in Berlin arbeitenden Architekten Kere entstehen. Herr Kere kommt in den nächsten Tagen zu einem ersten Gespräch nach Dapaong.

 

Das Trinkwasserprojekt wurde auf der Vereinssitzung ausführlich diskutiert. Die Wasserkomitees haben in einigen Dörfern noch Anlaufschwierigkeiten. Es sind vielleicht nicht immer die richtigen Menschen dafür gefunden. Es soll geprüft werden, ob die Komitees mit einigen aktiven Frauen ergänzt werden können. Auch soll geprüft werden, ob die Brunnen, die stündlich mehr als 5 m3 Wasser fördern können, mit Wassertürmen und Leitungen erweitert werden. So könnten weitere Trinkwasserzapfstellen geschaffen werden. Es wird auch überlegt, ob die Weltbank für ein solches Projekt angesprochen werden soll. Insgesamt wird das Trinkwasserprojekt sehr positiv eingeschätzt. Es wird berichtet, dass bisher in der Region nicht mit so großen Wasservorräten gerechnet wurde. In allen fünf Dörfern soll mit den Dorfgemeinschaften an der weiteren Verbesserung der Lebensverhältnisse gearbeitet werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Dorfgemeinschaften sich aktiv an dem Prozess beteiligen. Da die Motivierung der Bevölkerung in Nacre am stärksten ist, soll dort begonnen werden. In Nacre sind die Frauen aktiv einbezogen. Unter den fünf Lehrern sind auch zwei Frauen, was zu einer Steigerung der Zahl der Mädchen am Schulunterricht geführt hat.

 

Ebenso ausführlich wird das Schulprojekt besprochen. Dabei werden als besonders wichtig angesehen: Schulspeisung, Kampagne „Mädchen in die Schule“, Verbesserung der Situation der Lehrer und ihre Weiterbildung.

 

Viele Kinder kommen hungrig in die Schule und können darum dem Unterricht nicht folgen. Dies Problem ist so groß, dass es angegangen werden muss. IT Village will Schulspeisung aber nicht auf Dauer finanziell unterstützen. Es werden einkommensschaffende Maßnahmen angedacht, die die Dorfgemeinschaften befähigen, eine Schulspeisung anzubieten. Es wurde diskutiert über Schulgarten, Baumanpflanzungen, Viehzucht. Dies soll mit den Dorfgemeinschaften diskutiert werden. Das Welternährungsprogramm der UN soll um Unterstützung beim Start angesprochen werden.

 

In den Dörfern muss nach Meinung von Vereinsmitgliedern noch einige Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit Mädchen der Schulbesuch ermöglicht wird. Chiefs, Dorfälteste, Eltern müssen von der Wichtigkeit des Schulbesuchs überzeugt werden. Ausführlich wird über die Finanzierung von Schulgeld, Schulkleidung und Schulmaterial gesprochen. Auch hier werden einkommensschaffende Maßnahmen diskutiert, die Familien befähigen, diese Kosten selbst zu tragen. Unter anderem wird diskutiert, ob Schulkindern aus armen Familien Tiere geschenkt werden. Über den Verkauf des Tiernachwuchses könnte Einkommen erwirtschaftet werden. Auch hierzu sollen Gespräche in den Dörfern geführt werden.

 

Die Förderung von Kindern aus armen Familien muss mit den Dorfgemeinschaften ausführlich besprochen werden. Es müssen Kriterien dafür gemeinsam erarbeitet werden. Zunächst wird die Schulförderung in Kourdjoak fortgesetzt. In Nacre soll die Situation der Lehrer verbessert werden. Hier ist auch eine Förderung der Kinder zu prüfen, die im letzten Schuljahr aus finanziellen Gründen die Schule verlassen mussten, 18 Kinder der Grundschule und 14 Kinder des Kindergartens.

 

Ein großes Problem ist die Situation der Lehrer. Bei unseren Schulbesuchen haben wir nur einen Lehrer (Direktor in Dore) angetroffen, der eine Ausbildung in Notse absolviert hat. In Notsé befindet sich die einzige Ausbildung für Grundschullehrer in Togo. Die Absolventen können den Bedarf bei weitem nicht decken. Wenn eine Qualitätsverbesserung des Schulunterrichts erreicht werden soll, sind Weiterbildungsmaßnahmen notwendig. Durch unsere Schülerförderung werden die Klassen immer größer. Darum muss die Zahl der Lehrer erhöht werden. Die durch die Dorfgemeinschaften bezahlten Lehrer erhalten monatlich Gehälter von 5-10.000 Fcfa. Sie sind darum gezwungen, ihren Lebensunterhalt auf andere Weise abzusichern. Für die Schule bleibt so wenig Zeit. Um die Situation der Lehrer zu verbessern, soll ein Konzept entwickelt werden. Starten soll dies Programm in Nacre. Wir erfahren später, dass in der Präfektur Tone 38% der Lehrer von den Dorfgemeinschaften bezahlt werden (monatliches Einkommen unter 5.000 bis 15.000 Fcfa = 7,62 - 22,87 €.  In den Sommerferien gibt es kein Geld.)

 

Ich konnte eine interessante und anregende Vereinssitzung miterleben und habe viele Anregungen mitgenommen. Die Vereinsmitglieder setzen sich sehr für die Projekte ein. Unsere Zusammenarbeit trägt erste Früchte.

 

In den letzten Tagen besuchten wir auch touristische Ziele in der Region. In den Nona-Bergen besichtigten wir eine Verteidigungssiedlung in Felshöhlen. Vorratskammern und Verteidigungsstellungen konnten wir besehen. Eine Eisentreppe führte einen steilen Hang hinab. Man hatte einen herrlichen Blick in die flache Ebene.

 

In der Nähe von Dapaong fanden am 25. Mai 1900 die letzten Eroberungskämpfe deutscher Kolonialtruppen in Togo statt. Togolesen wollten die deutsche Eroberung verhindert. Eine Woche dauerten die Kämpfe. Alle togolesischen Kämpfer, auch ihre Frauen und Kinder wurden getötet.

 

Ein Togolese, der in Dapaong ein kleines Restaurant führt, hatte mir beim letzen Besuch von einem Projekt im Gebirge erzählt. Auf einer nur mit Geländewagen befahrbaren Straße erreichten wir nach 45 Minuten Fahrt aus Dapaong das Ziel. In 420 m – Höhe hat er Übernachtungen für zweimal neun Personen in einer wunderschönen Landschaft geschaffen. Man hat einen weiten Blick in ein großes Tal. Es sind einfache Unterkünfte. Auf Felsen kann man in Hängematten und Liegestühlen die Seele baumeln lassen. Unterkunft mit Frühstück und Abendbrot kostet 10.000 Fcfa (rund 15 €). Vom Standort kann einiges unternommen werden: Bergtouren, Tiersafari (Flusspferde, Antilopen, auch Elefanten sollen durch die Gegend zu den geschützten Parks in Burkina Faso ziehen), Tradition der Moba. Wir besprechen mit Etienne Dable und dem Besitzer, dass uns ein 2-Wochen-Angebot mit Besuch von DAZ-Projekten und Tourismus gemacht wird.

 

Dapaong, 17. 7. 2008

Am letzten Sonntag haben wir die 5 Trinkwasserbrunnen feierlich an die 5 Dorfchiefs uebergeben. Aus allen Doerfern waren Teilnehmer nach Kourdjoak gekommen. Maenner machten Musik, Frauen tanzten. Viele Reden wurden gehalten. Das Projekt Trinkwasserbrunnen ist sehr gut gelungen. Die Brunnen sehen gut aus. Es fliesst reichlich sauberes und schmackhaftes Wasser. Besonders die Frauen haben uns ihre Freude zum Ausdruck gebracht. Ihre Arbeit ist jetzt leichter. In der Trockenzeit war das Wasserholen eine Beschaeftigung, die den ganzen Tag in Anspruch nahm. Als Geschenk wurde uns von den 5 Doerfern ein Schafbock ueberreicht. Wir wollen ihn am Leben lassen und weiterschenken.

 

Heute haben wir die Abrechnung fuer die Brunnen bei IT Village durchgesehen. Auch finanziell ist das Projekt gut gelaufen. Die Brunnen wurden etwas teurer, weil sehr tief gebohrt werden musste. Es wurden darum Fusspumpen und nicht, wie geplant, Handpumpen eingesetzt. Andere Positionen waren aber billiger. So stimmt die Rechnung insgesamt.

 

Dapaong, 15. 7. 2008

Inzwischen haben wir drei weitere Schulen besucht. Die Situation dieser Dorfschulen ist erschreckend. Bisher haben wir in keiner Schule ausgebildete Lehrer getroffen. Obwohl eine Grundschule sechs Klassenstufen hat, finanziert der Staat nur drei Lehrer. Und er lässt sich das Geld zum Teil von den Eltern erstatten. Für jeden Jungen werden 1.100 Fcfa und für jedes Mädchen 800 Fcfa vom Staat für ein Schuljahr verlangt. Für uns ist das wenig Geld, für die Leute hier viel. Im Dorf Nacre 2 wurden 18 Schulkinder nach Hause geschickt, weil ihre Eltern das Schulgeld nicht bezahlen konnten. Sehr viele Kinder werden erst gar nicht zur Schule geschickt.

 

Nacre 2 hat 500 wahlberechtigte Bürger. Diese Zahl wurde bei der Parlamentswahl 2007 festgestellt. Man kann davon ausgehen, dass in Nacre 2   1.500 Menschen leben. Seit zwei Jahren gibt es einen Kindergarten. Der Kindergarten wurde mit Unterstützung der katholischen Kirche gebaut. Im Schuljahr 2007/08 besuchten 39 Kinder (15 Jungen, 24 Mädchen) den Kindergarten. Eine Frau „unterrichtet“ nach einem staatlichen Programm 3-5-jährige Kinder. Die Frau hat eine einjährige Ausbildung durch eine katholische NGO erhalten. Zu ihrem Programm gehört Sport, Lernspiele, der Umgang mit einem Bleistift, das Kennen lernen von Gegenständen wie Radio, Lineal...

 

Das Schulgebäude wurde im Rahmen eines staatlichen Programms mit Finanzierung der EU vor kurzem erbaut. In drei Klassenräumen unterrichten zwei Männer und eine Frau. Nur zwei Lehrer werden vom Staat finanziert. Ein Lehrer und die Kindergärtnerin finanziert die Dorfgemeinschaft. Sie bekommen monatlich 8.000 Fcfa (rund 12 €), allerdings nicht in den Ferien. Davon kann auch hier keiner leben.

 

Im Schuljahr 2007/08 besuchten die Schule:

  1. Klasse 55 Kinder – 27 Jungen und 28 Mädchen
  2. Klasse 25 Kinder – 12 Jungen und 13 Mädchen
  3. Klasse 31 Kinder – 15 Jungen und 16 Mädchen
  4. Klasse 23 Kinder – 18 Jungen und 5 Mädchen
  5. Klasse 17 Kinder – 13 Jungen und 4 Mädchen
  6. Klasse 17 Kinder – 16 Jungen und 1 Mädchen

 

Die Abschlussprüfung in der 6. Klasse erfolgt nach einheitlichen Angaben des Ministeriums. Die Ergebnisse für 2008 lagen noch nicht vor. 2007 haben von 16 Schüler 8 die Prüfung bestanden. Alle 8 Schüler besuchen eine weiterführende Schule. Im Dorf gibt es auch einzelne Schüler, die es bis zum Abitur geschafft haben. Allerdings müssen die Kinder ab der 6. Klasse in der Regel das Schulgeld selbst verdienen. Manche gehen dafür in den Ferien nach Ghana, weil sie dort mehr Geld verdienen können.

 

Der Anteil der Mädchen in den Klassen 1-3 ist sehr hoch. In anderen Dorfschulen war die Zahl der Jungen immer größer als die der Mädchen. Der Direktor sagte uns dazu, dass die Anstellung von zwei Frauen in der Schule sich positiv auswirkt. Dadurch wird gezeigt, dass auch Frauen eine Chance haben. Allerdings bevorzugen die Eltern besonders in den höheren Klassen immer noch die Jungen. Mädchen müssen auf Kinder aufpassen, Wasser holen oder auf den Feldern arbeiten.

 

Die Zahl der Kinder in der 1. Klasse konnte durch die Eröffnung des Kindergartens vor zwei Jahren gesteigert werden.

 

In der Schule fehlt es an allem. Für Lehrer und Schüler steht pro Klasse nur ein Schulbuch zur Verfügung. Auch fehlen Hefte und Bleistifte. Die Kinder schreiben mit Kreide auf Holztafeln. Auch die Kreide ist Mangelware.

 

Dazu kommt, dass viele Kinder hungrig in die Schule kommen und sich darum nicht auf den Unterricht konzentrieren können. Der Direktor erzählt uns, dass kürzlich zwei Kinder beim Sportunterricht zusammengebrochen sind. Immer wieder klagen Kinder über Bauchschmerzen. Oft haben sie dann Hunger.

 

Wir zeigen auch diesen Kindern unseren Film. Nachdem wir alles aufgebaut hatten, wurde der Himmel schwarz. Windböen kamen. Fast eine Stunde goss es in Strömen. Es wurde kalt. Wir mussten den Fernseher und alle Geräte schnell wieder abbauen. Denn der Regen wurde durch den Wind durch die Klassen gepeitscht. Die Kinder setzten sich neben einen Mauervorsprung und dem Vordach des Schulgebäudes. Dort waren sie geschützt. Wir flüchteten in das Lehrerzimmer. Er blieb der einzige trockene Raum.

 

Kaum war der Regen vorbei, sangen und tanzten die Frauen. Über 200 Kinder sahen den Film. Hannes stellte seine Schweriner Schule vor. Seine Mutter hatte uns vor dem Abflug gesagt, dass die Schweriner Waldorfschule eine Partnerschaft eingehen will.

 

In den anderen Schulen in der Region ist die Situation ähnlich. In Nadagou besuchen rund 300 Kinder eine Schule, 600 nicht. Das Dorf hat 600 wahlberechtigte Bürger.

 

Bei unserem Besuch in der Schule kommt ein junger Mann auf uns zu. Er ist 22 Jahre alt und hat vor einigen Tagen seine Abiturprüfungen abgelegt. Jetzt wartet er auf das Ergebnis. Die schriftlichen Prüfungen werden vom Schulamt in Dapaong bewertet. Mitte August ist mit dem Ergebnis zu rechnen.

 

Der junge Mann ist der älteste von fünf Geschwistern. Alle besuchen die Schule. Er wurde mit 9 Jahren eingeschult. Sein Vater starb vor einem Jahr. In den letzten Jahren musste er sich sein Schulgeld selbst erarbeiten. Dazu ist er zeitweise in den Ferien nach Ghana gefahren, weil dort die Verdienste besser sind.

 

Er möchte Landwirtschaft in Lomé studieren. Wir wollen prüfen, ob wir ihn mit einem Stipendium unterstützen können. Hannes wird ihm zunächst in die Arbeit mit einem Computer einführen und E-Mail-Schreiben beibringen. Auch wollen wir ihm anbieten, dass er am Honigworkshop mit Martin Müller in Ghana teilnehmen kann. Der Geschäftsführer von IT Village wird auch daran teilnehmen. IT Village plant Imkerei in der Region Dapaong aufzubauen.

 

Es ist wichtig, dass junge Leute aus den Dörfern vorankommen. Die Kinder und die Familien in den Dörfern müssen erleben, dass sich Schule lohnt.

 

In Piabribagou wurden bei der Parlamentswahl 2007 400 Wähler registriert. In die Schule gehen 188 Kinder, 109 Jungen und 79 Mädchen:

  1. Klasse  40 Kinder – 20 Jungen und 20 Mädchen
  2. Klasse  36 Kinder – 18 Jungen und 18 Mädchen
  3. Klasse  32 Kinder – 21 Jungen und 11 Mädchen
  4. Klasse  37 Kinder – 24 Jungen und 13 Mädchen
  5. Klasse  33 Kinder – 25 Jungen und 8 Mädchen
  6. Klasse  15 Kinder – 10 Jungen und 5 Mädchen

 

Von den fünf Lehrern werden vier vom Staat bezahlt (50-60.000 Fcfa – bis 90 € monatlich) und einer, ein Volontär, von der Dorfgemeinschaft (monatlich 7.000 Fcfa – 10,67 €). Der Volontär stammt aus dem Dorf. Um leben zu können, bestellt er seine Felder. Die Lehrer haben keine pädagogische Ausbildung. Zwei haben die Schule bis zum Abitur besucht, drei bis zur 9. Klasse. Ein Lehrer wohnt in einem Nachbarort, weil er sich den Bau eines Hauses nicht leisten kann.

 

Auf 4-5 Kinder kommt ein Schulbuch. Lehrmaterial versuchen die Lehrer von Nachbarschulen auszuleihen, was nur sehr begrenzt möglich ist.

 

Dapaong, 11. Juli 2008 

Am 8. Juli trafen wir am späten Nachmittag bei sehr angenehmer Temperatur in Dapaong ein. Der Himmel war bedeckt. Ab und an gab es kleine Regengüsse. Das Thermometer stieg an diesem Tag nicht über 26 Grad.

 

Am 5. Juli waren wir – der Arzt Christian König, der Journalist Beluga Post, der Schüler Hannes Skodock und ich (Hinrich Kuessner) – in Hamburg gestartet. In Paris streikten die Sicherheitsbeamten. Vor den Kontrollen bildeten sich endlose Schlangen. Unser Flieger konnte darum erst drei Stunden später starten. In Lomé erwarteten uns Etienne Dable und der Präsident des Vereins vom Kinderhaus Frieda.

 

Zwei Nächte blieben wir im Hotel Marie-Ke. Am Sonntag besuchten wir das Kinderhaus Frieda. 19 Kinder und eine Kindermutter begrüßten uns mit Gesang. Die Kinder sind deutschen Besuch gewöhnt. Ohne Scheu kamen sie auf uns zu und reichten uns die Hand zur Begrüßung. Kinder und Kindermütter sind zu einer Familie zusammengewachsen. Wir erlebten eine Fahrrad-Fahrschule. Die Großen übten mit den Kleinen. Die Großen hielten das Fahrrad und die Kleinen versuchten, Gleichgewicht und Trampeln in Einklang zu bringen. Noch in diesen Sommerferien sollen fünf weitere Kinder aufgenommen werden. Für 24 Kinder ist das Kinderhaus ausgelegt.

 

Mit dem Auto ging es nach dem Besuch durch die Stadt zum Strand. Kräftiger Wind und hohe Wellen stellten sich den Fotografen. Am Sonntagnachmittag trafen sich dort viele Menschen. Zwei Pferde standen bereit zum Reiten. Musik forderte auf zum Tanz. Vor allem unterhielten sich die Strandgänger. Einige Ausländer badeten. Das war nicht ungefährlich. Die hohen Wellen ziehen die Badenden hinaus.

 

Samuel Fangnon, ein alter Bekannter, trafen wir im Hotel. Er ist Besitzer und Geschäftsführer der Firma Foramat. Sie hat die fünf Brunnen im Norden Togos gebohrt. Seine Firma bohrt Brunnen in Westafrika. Er hat mir einmal erzählt, dass seine Eltern nicht immer ausreichend Essen auf den Tisch bringen konnten. Aber sie haben alles dafür getan, dass er zur Schule gehen konnte. Und sie verlangten, dass er jeden Tag ein Kapitel in der Bibel las. Dadurch hat er lesen gelernt. Diese Fähigkeit hat er genutzt. Nach dem Abschluss der Schule hat er bei einem amerikanischen Verein das Brunnenbohren gelernt. Er hat sich dort hochgearbeitet bis zum Bauleiter. Die Amerikaner ermöglichten ihm ein Praktikum in Frankreich. Sein Gehalt hat er gespart für den Start einer eigenen Firma. Ein Entwicklungshelfer hat ihm erzählt, dass es gute und preiswerte Bohrmaschinen in Indien gibt. Er flog auf eigene Kosten dorthin und suchte mehrere Firmen auf. Ein Unternehmer war über die Initiative des Togoers so beeindruckt, dass er ihm anbot, dass sie zusammen eine Bohrmaschine für Westafrika entwickeln. Daraus ist eine langfristige Kooperation geworden. Heute fahren die Bohr-Lastautos durch viele Länder und leisten gute Arbeit.

 

Am 7. Juli brachen wir auf in Richtung Norden. Von Lomé nach Dapaong sind es 630 km. Die Straße ist bis auf die letzten 30 km sehr gut. Viele oft völlig überladene Lasten pendeln zwischen dem internationalen Hafen von Lomé und Burkina Faso, Mali und Niger. Im Gebirge gibt es immer wieder schwere Unfälle. Zwei Tage vorher war ein großer Laster den Abhang hinuntergekippt. Er hatte sich überschlagen, Fahrer und Beifahrer blieben ohne großen Schaden. Als wir vorbeifuhren, wurde das Transportgut geborgen.

 

Unterwegs nutzten wir die Fahrt zu Informationsbesuchen. In der Werkstatt eines der führenden togolesischen Transportunternehmen standen viele Laster zur Reparatur und Pflege. In Togo gibt es noch keine Werkstatt, die auch die Elektronik moderner Laster oder Pkws bearbeiten kann. In den großen Städten könnte man damit ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen.

 

Sehr beeindruckt waren wir von einem Besuch bei einem Bauern. Vor 17 Jahren hat er begonnen. Jetzt bewirtschaftet er 100 ha und beschäftigt 22 Mitarbeiter. Er baut Gemüse, Mais, Sonnenblumen, Bananen, Ölbäume für Biosprit und mehr an. Er hat viele Bäume an den Wegen angepflanzt. Eine zweite Teakholzanpflanzung war im Plan. Drei selbst angelegte Seen bewässern die Felder. Den notwendigen Strom erzeugt er mit Generatoren.

 

Auch startete er eine Legehennenzucht. Sein Ziel sind 20.000 Legehennen. Eier zur Brut hat er in Belgien gekauft. Wir sahen einige hundert Kücken. Kaninchen, Buschratten, Schafe, Ziegen, Tauben, Strauße gehören zu seiner Zucht. Fische und Kühe sollen dazukommen. Dazu sucht er Kontakte zu deutschen Bauern. 2009 plant er eine Informationsreise nach Deutschland. Er hat sich in Frankreich und Japan schon umgesehen.

 

Wir verabreden mit ihm Zusammenarbeit im Norden Togos. Er ist Moba und will mithelfen, dass sich die Landwirtschaft dort besser entwickelt. Er meinte, dass die Entwicklungshilfe kein Geld an Regierungen zahlen sollte. Viel effektiver wäre seiner Meinung nach die finanzielle Unterstützung z.B. deutscher Bauern, damit sie in Togo Bauern beraten und mit ihnen kooperieren, auch zusammen Unternehmen betreiben. Die Landwirtschaft muss schneller entwickelt werden. Die hohen Lebensmittelpreise zeigen, wie wichtig das ist. In Kara sehen wir später lange Schlangen vor einem Maislager. Die Stadt hat dort Mais eingelagert und verkauft es zu subventionierten Preisen. Die immer höheren Maispreise können sich nicht mehr alle Menschen leisten.

 

In Tata besuchen wir historische Lehmbauten. Es sind kleine Verteidigungsburgen mit Schießscharten und harten Wänden. Der Lehm ist mit Kuhmist, Sheabutter und kleinen Steinen gehärtet worden. Über kleine Holzleitern und enge Öffnungen kann man innen in ein Dachgeschoss steigen. Oben sind kleine Schlafhütten. Die Eingänge sind so klein, dass man mit den Beinen zuerst hineinkriechen muss.

 

Am 8. Juli erreichte uns eine schlechte Nachricht. Etienne Dable hat ein Fuhrunternehmen mit drei Lastautos. Eins dieser Autos war bei einem Überholvorgang von der Straße abgekommen und hat sich mit einer Last von 45 t überschlagen. Der Unfall passierte nicht weit von Dapaong, kurz hinter der Grenze in Burkina Faso. So beschlossen wir, am nächsten Tag dorthin zu fahren. Der Laster lag auf dem Kopf. Nur einer der beiden Beifahrer hatte eine leichte Verletzung. Fahrer und der andere Beifahrer waren unverletzt. Das Fahrerhaus sah ziemlich demoliert aus. Die Polizei nahm den Schaden auf. Fahrer und Etienne wurden zu dem Vorfall von der Polizei vernommen. Inzwischen ist der Laster in Dapaong. Ein anderer Schwerlaster von Etienne hat das Auto wieder auf die Räder gestellt. Der Motor hat keinen Schaden. So fuhr der Laster rund 50 km mit eigener Kraft nach Dapaong.

 

Am 10. Juli starteten wir unseren Besuch in den fünf Dörfern. Wir wollten unser Kommen ankündigen und uns die Schulen und die neuen Trinkwasserbrunnen ansehen. Die Brunnen sind alle sehr schön geworden. Eine Fußpumpe befördert das Wasser nach oben. Das Wasser fließt reichlich und schmeckt gut. Ein Abfluss sorgt dafür, dass kein Wasser verloren geht. Der Abfluss geht zu einem kleinen Becken, der als Tränke für die Tiere dient. Frauen erzählten uns, dass sie sehr froh sind, dass es diese Tränke jetzt gibt. Bei der letzten Trockenzeit mussten sie Kühe schlachten, weil sie nicht genug Wasser hatten. Das wird jetzt nicht wieder passieren.

 

Um die Brunnen sind Bäume gepflanzt worden. Die Brunnen sind an zentraler Stelle in den Dörfern in der Nähe der Schulen gebaut worden. Jede Dorfgemeinschaft hat sich zu einem Eigenanteil von 300.000 FCFA (rund 460 €) verpflichtet. Dieses Geld wird von dem Wasserkomitee des Dorfes verwaltet und für Reparaturen eingesetzt.

 

Am 11. Juli beginnen wir in Kourdjoak die Schulbesuche. Im Gepäck haben wir eine DVD über die Nexö- und die Greif-Schule in Greifswald und die Pommernschule in Ahlbeck. Einen DVD-Player haben wir mit. Aber wie sollen über 200 Menschen auf dem kleinen Bildschirm den Film, den Beluga Post gedreht hat, sehen können? Es muss eine  andere Lösung her. In den Dörfern gibt es keinen Strom und keinen Fernsehapparat. In Dapoang mieten wir einen Generator. Etienne handelt die Miete auf 10.000 FCFA täglich herunter, rund 15 €. Der Generator macht viel Krach. Also darf er nicht neben dem Fernsehapparat stehen. Der Kauf der Schnur erweist sich als schwierig. Die Schnur muss angefertigt werden.

 

Ein Fernseher steht uns zur Verfügung. Nur er ist nicht mit dem DVD-Player kompatibel. Der DVD-Player ist nach deutschem System, der Fernseher nach französischem. Aber auch die Beschaffung eines Fernsehers und eines anderen DVD-Players, die zusammenpassen und auf denen unsere DVD abspielbar ist, gelingt. Für die Lösung des Problems haben wir nur Zeit gebraucht. Wir kommen mit drei Stunden Verspätung in Kourdjoak an. Über 200 Schüler und einige Erwachsene erwarten uns trotzdem. Es dauert eine Weile, bis alle Schüler in einem Klassenraum Platz gefunden haben. Wir haben so genügend Zeit, die Technik aufzustellen. Alles klappt und der Film kann starten. Mit großen Augen sehen die Kinder zu. Viele sehen so etwas zum ersten Mal.

 

Die Aufnahmen in der Pommernschule in Ahlbeck hatte Beluga Post an einem der wenigen Schneetage gemacht. Etienne fragt die Kinder, was das Weiße ist? Die Kinder raten: Steine, Erde, Baumwolle. Auf Schnee kommt keiner. Ihn haben sie noch nie gesehen und wohl auch nicht davon gehört. Etienne erklärt es ihnen.

 

Die deutschen Schüler haben viele Fragen an die Kinder in Togo gestellt. Wir wollen die Antworten aufnehmen. Eine Frage war: Wie oft kommt der Zahnarzt zu euch? Diese Frage verstehen die Kinder in Kourdjoak nicht. Einen Zahnarzt kennen sie nicht. Auch manche andere Frage muss erklärt werden, damit eine Antwort gegeben werden kann.

 

Schulbildung in Togo, das ist ein großes Problem. Viele Kinder gehen nicht zur Schule, weil ihre Eltern das Schulgeld nicht bezahlen können. Schulmaterial, auch Schulbücher fehlen in den Dörfern. Wir wollen darum mit Unterstützung des Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit Schulbücher und Unterrichtsmaterial finanzieren. Aber wo gibt es Schulbücher in Togo. Unsere Partner haben bisher keine Buchhandlung in Togo gefunden, die Schulbücher verkauft. Gibt es in Togo keine Schulbücher? Dieser Frage werden wir weiter nachgehen.

 

Die Lehrer werden in Kourdjoak miserabel bezahlt. Der Direktor und zwei Lehrer sind vom Staat angestellt. Der Direktor erhält monatlich 66.000 FCFA (rund 100 €) und die Lehrer jeweils 45.000 FCFA (rund 70 €). Zwei weitere Lehrer bezahlt die Dorfgemeinschaft. Sie erhalten monatlich 10.000 FCFA (rund 15 €). Die Lehrer müssen sechs Klassen unterrichten. 264 Kinder gingen im letzten Schuljahr zur Schule. In der ersten Klasse waren es mit der DAZ-Förderung 78 Schüler.